Träumen mit dem Wind.....

von

Cathy L. Palmer

7 ________________________________________ Fiona

Fiona verstand sich auf die Vielzahl der hier wachsenen Kräuter
und auf alles was der Garten so hergab.
Ihre Hände waren voller Wunder und ihr Reich war dieser
Kräutergarten mit seinen lieblichen Düften von Pfefferminze,
Rosmarin und Muskatnusspelagonien und
seinen darin wohnenden Geheimnissen.
Riesig bepflanzte Kübel führten zur hinteren Terrasse des Hauses.
Wie kleine Flammen leuchteten schon von weitem die Blüten
des Honigmelonensalbeis.
Hingegen wie zarte Schneeflocken hoben sich die Knospen
der Verbenen hervor.
Schwer hingen die Dolden des Purpurbasilikums herab
und die blauen Blütenkolben des Ysop waren voller
summender Bienen.
Ein Paradies war dieser Garten.
Ein Paradies für die vielen Schmetterlingen.
Aus jeder Ecke des Gartens strömte ein anderer betörender Duft.
Dieser Duft stieg einem sofort in die Nase, wenn man nur
an den Blumen und Kräutern vorbeiging und dabei einen leichten
Wind verursachte.
Die bunten Schmetterlinge -
wie zerbrechliche sie doch erscheinen.
Auf den zarten kleine Blüten des rosablühenden Oreganos
und des weissen Thymians sassen sie - unbeweglich.
Es waren da Blaufalter, Zitonenfalter und Feuerauge,
die ihre breiten bunt schillernden Flügel in der Sonne
ausbreiteten und den Nektar in sich aufsaugten.
Der Garten war der ganze Stolz Fionas.
Sämtliche Beete waren säuberlich gepflegt,
alles hatte seinen Platz und malte sich von ganz
allein in dieses wundervolle Bild.

Die Kinder erreichten die mit üppig bepflanzten
Blumenampeln geschmückte Terrasse und sahen durch
das Fenster schon das Feuer des Kamins.
Sie waren gern bei Fiona.
Hier gab es immer wieder etwas Neues und eine
Kleinigkeit hatte Fiona immer für sie zum Naschen parat.
Richards grösste Vorliebe war das Aussschlecken von
Teigschüsseln und Vivian steckte gern ihren Zeigefinger
in die Marmeladengläser.
Zwei Stufen führten in Fionas Reich - in die Küche.

Der Raum hatte etwas Anheimelndes an sich.
Ein Kessel hing über dem Kaminfeuer und Apfelholz
lag fein ordentlich aufgestapelt neben dem Kamin.
Der Tisch war mit Selbstgebackenem gedeckt
- Kartoffelkuchen und Sauerteigbrot -.
In geflochtenen Körben waren Kartoffeln und Gemüse verstaut.
Lustig baumelten die grünen Puscheln der Mohrrüben
über den Rand. In Tonschüsseln türmten sich Äpfel und Birnen.
Holzstiegen mit den ersten Pflaumen standen neben den
Weinkrügen und Milchkannen.
Über ihren Köpfen hingen Bündel von Kräutern zum Trocknen
und entlang der Decke standen auf Regalen Unmengen an Gläsern
mit Eingeweckten.
Fein säuberlich war alles mit einem Namen versehen.
An den Wänden hingen kleine und grosse Leinensäckchen
mit den getrockneten und schon fein gehackten Kräutern,
die zu den verschiedensten Teesorten gemischt werden konnten.

„Na, wo kommt ihr denn her? -
Es ist Abendbrotzeit und ihr müsst euch noch schnell waschen
und umziehen!
- Hattet ihr einen schönen Tag? -
Was nascht Du denn da wieder Richard,
mein Spatz? Nachher hast Du am Tisch wieder keinen Hunger!
Und Du, meine Süsse, Du hast ja ganz rote Bäckchen,
warst wohl zu lange in der Sonne.
Hopp, hopp, es ist Zeit, ab mit euch nach oben!“
Ein Redeschwall empfing die beiden, das war eben Fiona.
Köchin und die gute Fee des Hauses.

Wenn der Kummer zu gross war oder wenn man Bauchweh hatte,
wenn man ein Geheimnis nicht mehr nur für sich behalten
konnte,ja, dann tröstete sie und hörte zu, gab Ratschläge
oder nahm einen nur einfach in den Arm.
Sie hatte für alles Verständnis.
Und sie konnte so herrlich Geschichten erzählen.
Bei ihr vergingen die Stunden wie im Fluge.
Die Kinder liebten sie von ganzem Herzen
und das war auch umgekehrt ganz genauso.
Im Spurt ging es die Treppe nach oben und
beide schaften es gerade noch pünktlich zum Abendessen.

Sie fielen nur so ins Bett
- es lag wohl an den Erlebnissen des Tages.
Mit glühenden Wangen lag Vivian eingekuschelt in ihrem
Bettchen, in den Armen
Wishful - ihren heissgeliebeten Teddy.
Sein Fellchen war schon vom vielen Liebhaben etwas
mitgenommen,schliesslich war er genauso alt wie sie.
Vivians Haarlöckchen waren fast ganz unter dem gekräuselten
Nachtmützchen verborgen und ein sanftes Lächeln lag über
ihrem Gesicht.
Sie hatte ein Geheimnis, das nur noch Wishful kannte.
- Es war die hohle Eiche. -
Die würde sie ihm bald zeigen, dass hatte sie ihm unter Gähnen
noch versprechen können.
Auch Richard schlief sofort ein, als er sich auf seine
Einschlafseite gelegt hatte.
Er träumte davon nun doch einen Fisch gefangen zu haben.
Komisch, denn in seinem Traum hatte er die langen Hosen an,
die er morgen doch erst bekommen sollte.

Was war das doch für ein abenteuerlicher Tag gewesen ! -
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