Träumen mit dem Wind..... von
Cathy
L. Palmer 6
_______________________________________ Der See Der See
war unendlich schön.
Richard hatte seine Schuhe ausgezogen und
klatschte
mit der rechten, mal mit der linken Fusssohle auf das
Wasser,
das es nur so spritzte.
Mit seiner kurzen Hose ging er immer weiter in den
See hinein.
Bis zu den Knien war er nun schon.
Es schwammen kleine Fische
um ihn herum und er
versuchte mit den Händen einen heraus zu
bekommen.
„Pass nur auf, dass Du nicht gebissen wirst, Richard!“.
„So
einen Quatsch, können auch bloss Mädchen sagen.
Ich fange jetzt einen
Haifisch und stecke ihn dir in
dein Kleid, dann beisst er dich, ha ha.“
„
Du bist gemein! -
Nachher kriegst du wieder Schelte, da du ganz nass
bist!“
„Pah, das trocknet wieder, bevor ich nach Hause gehe.
Und so bald
habe ich das nicht vor.“
„Aber es wird doch bald dunkel.“
Beim Spielen
am See inmitten von Glockenblumen und
wildem Thymian verging die Zeit
wirklich im Flug.
Vivian hatte einen hohlen Baumstamm entdeckt und
sie
wollte dieses Geheimnis noch für sich behalten.
In diesem Eichenstamm liess
es sich mit Sicherheit
herrlich spielen und bei Regen könnte man dort
Unterschlupf finden. Keiner würde sie dort vermuten.
- Ein geheimer
Ort. -
Sie merkte sich den Platz genau.
Während Richard im See weiter
versuchte einen Fisch
zu fangen, was ihm bisher nicht mal andeutungsweise
gelang,
sass Vivian im hohen Gras und flocht sich aus Gänseblumchen
und
Butterblumen einen Blütenkranz.
Sie beobachtete dabei die vielen bunten
Libellen und Falter.
Mit der Zeit wurde es Richard langweilig
und
schummerig war es auch schon.
„ Komm wir gehen zurück, sonst gibt es doch
noch Ärger
und Hunger habe ich auch.“
Sie nahmen einen schmalen Pfad, der
zum Wald hinauf führte.
Richards Weg führte nach Osten.
Hinter dem Hain
lag Heideland - dort wollte er zunächst hin.
Der Blumengarten des Hauses lag
nämlich östlich
und die Strasse trennte diese Heide im Norden davon
ab.
Diese musste er unbedingt meiden, sonst würde man sie entdecken
und
wissen, dass sie aus dem verbotenen Wald kamen.
Im Süden lag ein kleiner
Obstgarten und der Kräutergarten,
dahin mussten sie unbemerkt
gelangen.
„Warum gehen wir denn nur so weit weg vom Haus?
Ich bin
müde - ich will nach Hause, „ nörgelte Vivian
im Schlepptau ihres Bruders.
Richard zog sie nur so hinter sich her.
„Dich nehme ich nicht mehr mit,
wenn Du jetzt nicht leise bist!“
Schmollend bemühte sich Vivian nun zu
folgen.
Endlich erreichten sie die Stelle, die Richard zielstrebig
angesteuert hatte.
Er krabbelte durch eine Lücke in der
Brombeerhecke,
wo er vor einiger Zeit die Zaunlatten so gelöst hatte,
dass sie sich beiseite schieben liessen.
Ganz klein machte sich auch
Vivian.
Der Durchschlupf führte sie in den Obstgarten.
Sie hatten es
geschafft. -
Keiner konnte nun ahnen, wo sie den Nachmittag
über
zugebracht hatten.
Ihr Weg führte nun weiter durch die Obstbäume des
Gartens.
Äpfel schimmerten über ihren Köpfen und Birnen,
einige hell wie
Edelsteine, andere wie goldene Kugeln.
Die ersten Herbststürme hatten Zweige
und Äste abgeknickt
und grüne Äpfel hingen unreif in dem schon verwelkten
bunten Laub.
Ein Ast zog sich fast den Boden entlang und eine späte Wildrose
mit zarten elfenbeinfarbenen Blüten wand sich sanft
duftend um den
knorrigen Ast.
Richard griff nach zwei heruntergefallenen Äpfeln,
rieb sie
bis sie rot glänzend leuchteten an seiner kurzen Hose
und reichte einen
seiner Schwester.
„ Hier - Beute gegen den bösen Magenknurrer !“
Unter
den Obstbäumen standen aufgereiht die Bienenkörbe.
Emsig flogen die Insekten
hin und her.
Die Füsse der Kinder traten im rauhen Gras des Gartens
immer wieder auf duftene Kräuter.
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