Träumen mit dem Wind..... von
Cathy
L. Palmer 4
_____________________________________ Der Wald Richard
fasste die Hand seiner Schwester.
Er spielte den grossen Bruder sehr gerne,
denn er war ja schliesslich zwei Minuten älter als sie.
Er war ihr
Beschützer, ein Held und mit dem kleinen
Holzschwert in der Hand ging das
gleich noch viel besser.
So zogen sie los, um die Geheimnisse des
verbotenen Waldes
zu erkunden.
Vivian versuchte mit aller Gewalt mit ihren
Bruder
ja Schritt zu halten.
Sie wollte ihm nicht zur Last
werden,
schliesslich hatte er sie nur ungerne mitnehmen wollen.
Im
Wald war es ihnen unheimlich.
Hinter jedem Baum, hinter jedem Busch
vermuteten sie etwas Unbekanntes.
Doch mutig schritt Richard voran,
eine Schrittlänge vor Vivian, um der Beschützerrolle
ja gerecht zu
werden.
Richard war gerade acht Jahre geworden,
ein pummeliger,
rotblonder Junge mit zahlreichen
Sommersprossen im Gesicht und etlichen
Zahnlücken.
Sein Kopf war voller Abenteuer,die es zu erleben galt.
Viel zu
oft kam er mit zerrissenen Kleidern nach Hause
und kassierte dafür Schelte.
Er spielte Cowboy, Räuber, Pirat in einem.
Mit Vorliebe kämpfte er sich
als Ritter mit seinem Schwert
durch sein kleines Reich.
Alles hiess für
ihn Feind und galt es aufgrund seiner
puren Anwesenheit zu
besiegen.
Vivian war das Gegenstück.
Sie mochte alles ordentlich,
liebte ihre Rüschen an den
mit Spitzen und Borten abgesetzten
Kleidchen.
Ihre weisse Schürze mit der grossen,
in Zuckerwasser
gestärkten Schleife am Rücken,
war stets makellos sauber.
Die Schute liess
sie sich eigen binden, sodass ihre
kupferfarbenen Stocklocken aus ihr
korrekt heraushingen.
Jedes Haarlöckchen hatte seinen Platz
und hiess es
täglich aufs neue zu richten.
Im Wesen glich sie ihrem Bruder auf keinster
Weise.
Voller Zartheit war sie und liebte jedes Tier,
jede Blume am Weg
und war von diesem Wald einfach verzaubert.
Die silbrigen Stämme der Birken,
das Wippen der Zweige und Äste,
die braun verwelkten Blätter, die auf den
grünen
Mooskissen durch die Sonnenstrahlen,
die durch die Baumkronen
drangen wie Gold glänzten,
liess sie von tanzenden Feen und drolligen
Zwergen,
die ihre Schätze hüteten träumen.
Die Kinder hielten nun
einen Moment inne
und jedes versuchte für sich etwas zu entdecken,
was
das andere nicht sah.
Vivian sah als erstes ein Eichhörnchen,
das mit
seinen kleinen Zähnchen ein Loch im Kiefernstamm
geduldig zu vergrössern
suchte.
Während sie dem nagendem Geräusch lauschte,
entdeckte Richard eine
verborgende Quelle.
Ein Wasserplatschen war in der Ferne zu hören.
Getier
huschte durchs Gebüsch.
Der Wind strich durch das Gehölz.
Vögel riefen
und antworteten einander.
Beider Phantasie wurde unmittelbar
lebendig.
Wunderbar raschelte das welke Laub unter ihren Füssen
und aus
der Tiefe des Waldes hörten sie den Ruf
eines Kuckucks.
Sie
erreichten den klaren See bald
und erspähten zwischen den Lianen umwundenen
Mangroven
die grünen saftigen Weiden mit den Schafen
und die
schneeballbedeckte, unendlich scheinende
rote Erde der Baumwollfelder.
Im
Westen leuchteten die hohen, mit Heidekraut
bewachsenen Hügel.
Der feurig
glühende Rotdorn hob sich vom tiefblauen Himmel ab.
Es duftete süss.
- Dies war das fruchtbare Land South Carolinas.
Unvermittelt
liess Richard sie los
und rannte mit ausgestreckten Armen,
wie ein Vogel
mit dem Wind gleitend hinunter in die Senke.
Vivian blieb verdutzt
stehen,
doch auch sie verspürte den Drang diesen See zu erreichen.
So
schnell es ihr möglich war rannte sie ihrem Bruder hinterher.
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